Meine Mutter hat es uns heute gestanden: Sie hat jahrelang gedopt. Sie habe einfach nicht mehr den Druck ausgehalten; es nicht mehr ausgehalten, über Jahre dem Peloton hinterherzufahren. Von Netzwerken und gröberen Strukturen will sie nichts gewußt haben. Doping, so sagt sie, sei eine private, ja überaus intime Geschichte, das hänge man nicht an die große Glocke.
Meine Mutter hat uns über Jahrzehnte belogen. Sie ist morgens aus dem Haus gegangen, auf ihr Fahrrad gestiegen, hat die Post und den Pfarrbrief ausgetragen und ist Abends heimgekommen, als wäre nichts gewesen. Wir hätten es wissen, wir hätten es kommen sehen müssen. Den Schulberg hoch, in dieser Zeit, unmöglich. Das Foto vom Amt mit der Geschwindigkeitsüberschreitung: Meine Mutter auf dem Rad, mit erschrockenem Blick in die Kamera und das weit über dem Kulanzrahmen. Manchmal war sie kaum aus der Türe und schon wieder da, mit Brötchen.
Freitag, 25. Mai 2007
-
Trackbacks
Trackback für spezifische URI dieses Eintrags
Keine Trackbacks
Kommentare
Ansicht der Kommentare:
(Linear | Verschachtelt)
Meine Mutter war eine Mutter und als solche war sie eine Mutter und hat getan, was andere Mütter auch getan haben.
#1
ch_we
am
26.05.2007 10:47
(Antwort)

